Menschen mehr geben als ein Dach über dem Kopf: VOWO-Azubis lernen die Arbeit von SOZPÄDAL e.V. im Rahmen eines Sozialprojekts kennen

Karlsruhe, 12. September 2018

Etwa 600 Männer, Frauen und Familien mit Kindern sind gegenwärtig obdachrechtlich untergebracht, hinzu kommen junge Erwachsene, die für einige Zeit bei Freunden oder Bekannten unterschlüpfen. Die Dunkelziffer ist groß - wieviel Menschen ohne Unterstützung der Stadt auf der Straße leben, weiß man nicht genau. Bei der Armutsbekämpfung kooperiert Karlsruhe mit freien Trägern der Wohnungslosenhilfe. Einer von ihnen ist SOZPÄDAL e.V., dessen Arbeit die Auszubildenden der VOLKSWOHNUNG nun im Rahmen eines Sozialprojekts kennenlernen.

"Unter dem SOZPÄDAL-Leitfaden 'Wohnen tut Not' trägt die vertrauensvolle und enge Kooperation mit der VOLKSWOHNUNG erfreuliche Früchte. Künftigen Fachkräften unserer Wohnungsbaugesellschaft wird mit diesem Praktikum die Lebenslage ehemals wohnungsloser Menschen erlebbar. Dies ist ein weiterer sehr positiver Baustein in der Zusammenarbeit in sozialen Bündnissen", erklärt Karlsruhes Sozialbürgermeister Martin Lenz. "Verteilt über das gesamte Stadtgebiet stellen wir SOZPÄDAL als Hauptmieter knapp 100 Wohnungen aus unserem Bestand zur Verfügung", so VOLKSWOHNUNGS-Geschäftsführer Stefan Storz.

Die Idee für das Projekt stammt vom Team Personal und den Ausbildungsbeauftragten, die Entscheidung für SOZPÄDAL fiel auf Anregung des Sozial- und Quartiersmanagements der Immobiliengesellschaft. Denn die Verbindung zu dem Verein besteht seit langem. "Wir freuen uns sehr, dass die VOLKSWOHNUNG so viel Vertrauen in uns setzt", sagt Jörg Mauter, geschäftsführender Vorstand von SOZPÄDAL, und fährt fort: "Die Auszubildenden kommen mit Mietern in Kontakt, die Wohnungsverlust und Zeiten der Obdachlosigkeit erlebt haben. Wir wollen zeigen, dass mit Unterstützung erneuter Wohnungsverlust vermieden werden kann und es möglich ist, ehemals wohnungslosen Menschen neue Perspektiven anzubieten."

Sechs Auszubildende des 2. und 3. Lehrjahrs verbringen jeweils eine Woche bei SOZPÄDAL. Jörg Mauter: "Wohnungslose Menschen mit unterschiedlichen, oft komplexen Problemlagen haben Stigmatisierung und Ausgrenzung erfahren. Es ist uns deshalb wichtig, ihnen freundlich zu begegnen und ihre Bemühungen um Veränderung ernst zu nehmen. Diese Haltung Auszubildenden mitgeben zu können, die am Anfang ihres Berufslebens stehen, ist eine große Chance." Ziel der Arbeit von SOZPÄDAL ist es, Betroffenen eigenen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Der Verein vermietet weiter an über 350 ehemals wohnungslose Menschen - ohne die Kooperation mit der VOLKSWOHNUNG wäre das nicht durchführbar. "Eine Wohnung oder ein Zimmer zum Abschließen zu haben, ist so viel mehr als nur ein Dach über dem Kopf", sagt der SOZPÄDAL-Leiter. Die Menschen werden von 15 Kolleginnen und Kollegen betreut. Montags ist Teamsitzung, ein bis zwei Mal pro Woche finden Hausbesuche, drei Mal wöchentlich Sprechstunden statt. Die Azubis haben Gelegenheit, bei allen Gesprächen dabei zu sein und auch die tatkräftige Unterstützung bei Behördengängen oder bei der Wohnungseinrichtung mitzuerleben.

Wie hat das erste Auszubildenden-Duo der VOLKSWOHNUNG die Zeit bei SOZPÄDAL wahrgenommen? Jonas Borrey (2. Lehrjahr) ist begeistert: "Das war eine tolle Woche, die richtig viel Spaß gemacht hat. Mir ist jetzt erneut bewusst, wie schwer es manche Menschen haben und ich bin voller Respekt vor der Arbeit der Kolleginnen und Kollegen bei SOZPÄDAL." Auch Jasmin Grabarek (ebenfalls 2. Lehrjahr) hat nach diesen fünf Tagen einen anderen Blickwinkel: "Wenn jemand seine Miete nicht zahlt, gibt es eine Geschichte dahinter, oft hat diese Person Schweres durchgemacht und Schicksalsschläge erlitten. Es war gut zu sehen, dass die Unterstützung von SOZPÄDAL dabei helfen kann, wieder Fuß zu fassen."